Workshop 2014 – Wunderkammer Kokura Burg

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Wunderkammer Vol. 1 in der Kokura Burg in Kitakyushu, Japan

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Was ist eine Wunderkammer?

Der Begriff Kunst- und Wunderkammer bezeichnet ein Sammlung aus der Frühphase der Museumsgeschichte in Europa und bezieht sich sowohl auf das Wunderliche der Objekte der Sammlung, z. B. ein Hirschgeweih festgewachsen in einem Baumstück, als auch die Verwunderung des Betrachters, das „noch Staunen können“.

Weniger gemeint ist das religiös „Wundersame“ einer Erscheinung oder spirituelle Wunder, d.h. nicht das „Überirdische“ ist in der Wunderkammer dargestellt , sondern das Irdische.

Das Exotische aus fernen Ländern, die Welt der Wissenschaft, Naturphänomene aus Flora und Fauna, Mineralogie, Kunst und Musikinstrumente sind in den Sammlungen der europäischen Fürsten und Könige dieser Zeit vertreten, die religiösen Wunder sind hingegen in den Reliquien der Schatzkammern der Kirchen vertreten.

Die Herrscher sammelten aber auch das Sonderbare im Gewöhnlichen, was staunen lässt und den Besitzer der Wunderkammer über das Alltägliche hinaushebt, was durch die Präsentation als „Wunder“ in einer eigenen Kammer, eine Freistellung und Aufwertung erfährt.

Als eigentliche Verdichtung der Ästhetik der Kunst- und Wunderkammern gelten die Vitrinen Schränke, die zur Aufbewahrung von Sammlungsobjekten dienten, aber ihrerseits selbst in Ihrer Art der Bestückung Sammlungsobjekt waren; versteckte Schubladen und symbolbeladene Verzierungen luden zum Sich-Wundern, also zur Suche und Deutung ein.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Wunderkammer

Wunderkammer in Kokura 2014

Für die Wunderkammer in Kokura wird eine Bürgersammlung an Wunderdingen aufgebaut. Ein kleines Kuriositätenkabinett, welches wundersame Dinge und Geschichten von Bürgern aus Kitakyuschu für das temporär und partizipativ angelegte Projekt gestiftet werden. Diese Art der offenen Sammlung wird durch bestehende Objekte aus der schon begonnenen Sammlung ergänzt. Gesammelt werden sollen Objekte und deren Geschichten, die über das Leben in der Stadt und Region in Kitakyushu erzählen. Dabei soll neben Höhepunkten der wundersamen städtischen Kulturgeschichte vor allem auch das ganz einfache alltägliche Leben in der Region präsentiert werden. Denn  Wunder erscheinen  nicht nur an einem besonderen Ort, sondern schaffen den besonderen Ort.

Gezeigt wird diese Sammlung nach dem Prinzip der Vielfältigkeit einer Wunderkammer, also mit einer atmosphärischen Verdichtung zu der Lebenswelt in Kokura. Hierfür wird in der 5. Etage der Burg ein begehbarer Schrank mit Raumdurchdringungen gebaut, eine Art begehbares Diorama. Verbunden wird dies mit den Abstraktionen eines Maßstabes-ungewöhnlichen Modellbaues im 1:1, also eines begehbaren Modells. In dieser Schrankwand gibt es Klapptüren mit vertiefenden Botschaften, eine Erlebnisraumerfahrung im Durch- und Umschreiten. Realisiert wird in der ersten Projektphase in Papier, Pappe und Holzlatten, also klassischen Modellbaumaterialien. So verbleiben die Vitrinen der Wunderkammer im bewusst gewählten temporären Charakter, ohne dabei nicht zeitgleich doch als ein „Startup“ für einen festen Einbau zu fungieren.

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Die Objekte und Geschichten werden mit der Art der Präsentation verdichtet, vereinfacht, umschrieben und eventuell gedoppelt, um so ihren ganz besonderen wundersamen Glanz nicht nur für die Öffentlichkeit der Besucher entstehen zu lassen, sondern auch zu als Sammlungsstücke „durch Neues in Bezug setzen“ zu interagieren.

In der Art, wie wir uns erinnern und welche Geschichten wir uns gegenseitig erzählen und in der Auswahl, was wir für überlieferungswert, ja als unseren Schatz oder verblüffendes Kuriosum erachten, gestalten wir bewusst äußerst wichtige Teile unserer Geschichte und damit auch ein Stück unserer Gegenwart neu. Wir erhalten durch diesen Erkenntnisgewinn des Staunens und Sammelns ein Stück Verständnis für unsere heutige Welt zurück. Denn nur im Wunder ermisst sich das Alltägliche.